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Lieb' dich selbst im Internet

Ich klicke mich durch meine Instagram Timeline.
Ein bisschen stöbern, gucken und scrollen. Herzchen hier, Kommentar da. Ohne Ziel und tieferen Sinn. Einfach nur schauen. Einfach nur die Zeit vertreiben.
Bei dem Bild einer jungen Frau bleibe ich hängen. Ich schätze sie auf Anfang 20. Ihre Augen spiegeln das Licht, die Haare fallen ihr lockig über die Schultern und die dunkelrot geschminkten Lippen glänzen verhängnisvoll. Sie ist schön so wie sie da sitzt – nur in Unterwäsche auf ihrem Bett. Die paar Kilo die sie zu viel hat stehen ihr, weil sie so aussieht als sei sie glücklich. Als ich auf das kleine Herz unter ihrem Beitrag klicken und es so mit Farbe füllen will, springt mir die Bildunterschrift ins Auge. Ich überfliege die paar Zeilen in denen sie predigt, dass es wichtig ist sich selbst zu lieben und die mit den Hashtags #loveyourself und #stopbodyshaming versehen sind. Ein paar Sekunden noch schwebt mein Finger ohne Auftrag über dem herzförmigen Symbol, ehe ich weiterscrolle ohne es …

Liebesbrief an eine Stadt

Einhudertdreiunddreißig Tage – exakt so lange habe ich in Sydney gewohnt. Sicher keine Ewigkeit, ganz im Gegenteil, aber lange genug um sich Zuhause zu fühlen. Denn irgendwie geht das ganz schnell wenn die Stadt so wunderbar und die Menschen so liebenswürdig sind. Spätestens wenn du in der Abendsonne durch den botanischen Garten zum Opera House spazierst hast du dein Herz verloren.
Ja, es war sicher keine Ewigkeit, aber trotzdem kommt es mir ein bisschen so vor. Denn Sydney hat mich zusammen geflickt. Als ich vor ein paar Monaten in das Flugzeug gestiegen bin, da bestand ich nur aus ein paar losen Teilen, provisorisch zusammen gehalten von der Unterstützung meiner Freunde und dem Rückhalt meiner Familie. Ich war lückenhaft und unvollständig. Unzählige Kämpfe und Zweifel hatten mich Teile meiner Selbst gekostet. Hier einen Schnipsel meines Herzens, dort ein Stückchen meines Lächelns. Aber Sydney war wie Nadel und Faden.
Ich weiß nicht genau was es war. Vielleicht der ewige Sommer, das Me…

Die Oberflächlichkeit der Freundschaft

Lieber Freund,
ich mag dich. Das kann ich frei heraus sagen weil es stimmt. Wenn ich mit dir zusammen bin dann habe ich oft dieses gute Gefühl im Bauch, das man nur hat wenn man weiß, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Denn wir sind unschlagbar. Verbrüdert an der Theke und auf der Tanzfläche.
Aber manchmal wenn ich etwas zu betrunken oder aber etwas zu nüchtern bin, dann verwandelt sich dieses gute Bauchgefühl zu etwas anderem. Meist‘ zu einer Stimme die in meinem Kopf herumspukt und mir etwas zuflüstert. Eine ganze Weile habe ich diese Stimme und ihre leisen Worte vor lauter Rausch und Kater nicht verstanden, aber dann war da dieser Abend.
Du warst gar nicht da aber ein anderer Freund, den ich genauso gerne mag wie dich. Es war schön. Genauso schön wie die etlichen Abende die wir miteinander verbracht haben, aber dann wurde es besser. Viel besser als jede einzelne Party die wir je zusammen gefeiert haben. Und das nicht weil mein Freund den witzigsten Tanz aufgeführt oder…

212 Tage

7 Monate - 212 Tage - 5.088 Stunden - 305.280 Minuten
Manchmal kommt man an einen Punkt an dem man resümieren muss. Einen Punkt an dem man sich und die Situation in der man sich befindet betrachten muss. 
Ohne Emotionen und rosaroter Bille. Klar und deutlich. Hart und ehrlich. 
An diesem Punkt muss man sich selbst fragen: Wo bin ich? Und noch viel wichtiger: Will ich hier sein?

Ich, ich bin genau dort wo ich schon vor 212 Tagen war. Ich stehe auf demselben Fleck Erde, unbewegt. Allerdings mit dem Unterschied, dass sich alles um mich herum verändert hat. Dort wo früher einmal oben war ist jetzt unten. Mein sicherer Hafen wurde zum offenen Meer. Freunde zu Feinden und Liebe zu Hass.
Natürlich könnte und sollte ich mich selbst fragen warum ich mich nicht bewegt habe. Warum ich still stehe, während alle anderen vorankommen. Schließlich kennt jeder den Spruch „Stillstand ist Rückschritt“. 
Ich habe eine Antwort darauf: Wenn sich die Welt um einen herum so laut und wirbelnd dreht, dann droht man a…